Authentizität

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Lars Nicolaisen:

Okay, ich habe nie behauptet, dass alle meine Ideen vor Genialität strotzen. Auch ich bin nicht frei von Fehlern. Ich gebe offen zu, dass Simona und ich momentan absolut nicht glücklich über die Entwicklung des Blogs sind. 1x die Woche aktiv zu werden ist irgendwie blöd. Da fühle ich mich irgendwie gezwungen etwas ganz besonderes zu schreiben und bloß nichts zu vergessen was die Woche über passiert ist. Und schon heute – ist ja erst das zweite Mal in dieser Form – setze ich mich mit nur sehr wenig Motivation vor den Rechner. Das kann es doch auch nicht sein, oder?

Vielleicht benötigt der Blog noch einmal eine weitere, kreative Pause. Vielleicht kehren wir zurück zum täglichen Blog – auch wenn ich zum Schluss das Gefühl hatte Euch mit den Beitragen mehr zu langweilen als zu unterhalten. Wäre ja auch nur verständlich! Über die für uns wichtigen Themen haben Simona und ich ja auch in den letzten Jahren gefühlt schon 1.000 mal geschrieben. Was soll da noch kommen?

Ich spüre, dass ich mir nicht klar bin wohin die Reise mit diesem Blog gehen soll. Auf der einen Seite finde ich es natürlich genial wie viele treue Leser dieser Blog und unsere Facebook-Seite erreicht. Tausende Leser. Einige Beiträge über 10.000 mal gelesen und geteilt. Das ist für einen Friseur-Blog sicherlich sehr ungewöhnlich. Auf der anderen Seite spürt man dadurch auch immer mehr Druck. Druck auch immer „professioneller“ zu werden und sich anpassen zu müssen. „Schreib nicht so lange Texte“ ist da so die bekannteste Kritik. Klar, wir leben in einem Zeitalter in dem lange Texte nur noch selten gelesen werden. Überschriften müssen reichen. 140 Zeichen. Mehr Zeit hat „man“ heute nicht mehr. Das mag Mainstream sein, dass mag in der heutigen Zeit auch „richtig“ sein. Und nichts liegt mir übrigens ferner als plötzlich jemand zu werden der im „Gestern“ lebt und die These vertritt, dass früher alles besser war. Das ist ja totaler Quatsch!

Mir ging und geht es auch nie um die Textlänge – sondern es ging und geht mir immer um Authentizität! Simona und ich möchten in unserem Blog so authentisch wie möglich sein. Im Netz und besonders auf Facebook ist doch inzwischen fast alles angeglichen und seelenlos. Langweilig! Ich habe das Gefühl, dass ein absoluter Großteil aller Beitrage nur noch aus Marketing besteht. Sei es professionelles Marketing, oder „Self-Marketing“. Das sind Beitrage in denen die User nicht schreiben was sie fühlen, sondern was sie glauben was andere gern lesen würden. Das ist dieses Postkarten-Phänomen. Egal wie schlecht das Wetter oder das Hotel im Urlaub auch war, im Postkartenzeitalter schrieb man immer den Freunden und der Familie nach Hause „Hier ist alles TOP!“

Ich empfinde wirklich es ist schwer im Jahr 2017 einen authentischen Blog zu schreiben. Nicht jeder Tag ist mit Highlights gesegnet. Es gibt auch mal dunkle Phasen. Und dann? Nix schreiben? Also nur dann schreiben wenn alles supi-dupi ist? Willkommen zurück im Postkartenzeitalter!

Nicht zu unterschätzen ist bei einem (bei aller hanseatischer Bescheidenheit) ja nun doch recht populären Blog für die Friseurbranche, auch der politische Druck. Mitarbeiter lesen mit, Kunden lesen mit, Kollegen und Hamburger Mitbewerber lesen mit, Personen in Führungspositionen der Haarkosmetikindustrie lesen mit. Also was darf man noch schreiben ohne das es für mein Friseurunternehmen ggf. Probleme oder gar finanzielle Nachteile nach sich ziehen kann? Und wenn man so denkt, kommt ein zweiter Gedanke ganz automatisch: „Was sollte ich schreiben um eventuell einen beruflichen oder finanziellen Vorteil zu generieren?“ Tja – und wenn solche Gedanken die Überhand beim schreiben eines Blogs gewinnen, dann mal „Adieu Authentizität“.

Ich wünsche allen Mitarbeitern und Kunden heute viel Spaß in unseren Salons und uns allen dann ein superschönes Sommerwochenende. Simona und ich werden weiter überlegen wie wir uns zukünftig mit dem Blog aufstellen wollen. Wenn Ihr wollt, dann nutzt gern im Blog und auf Facebook die Kommentarfunktion und teilt uns Eure Gedanken mit. Und setzt bitte alle folgenden Hashtag: #NicolaisenPostkarte. Einfach nur zum Test. Mal schauen wer diesen Blog wirklich bis zum Ende gelesen hat 😉

 

Wir sind zurück – aber anders

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Lars Nicolaisen:

So, die Akkus sind wieder aufgeladen und ab heute steigen Simona und ich auch wieder ins Berufsleben ein. Auch dieser Blog wird weiterhin aktiv betrieben werden – aber anders. Simona und ich haben uns im Urlaub viel über unsere Rollen und Aufgaben im Unternehmen unterhalten. Wir starten mit viel Vorfreude, guten Ideen und mit großer „Lust“ in die Zeit die vor uns liegt. Wir haben uns jedoch auch über die Dinge unterhalten, die uns in der Vergangenheit viel Kraft und Energie gekostet haben. Und ganz schnell waren wir da auch bei unserem täglichen Blog.

Seit dem 01. Januar 2012 betreiben wir diesen Blog. Im ersten Jahr schrieben wir an wirklich JEDEN Tag einen Beitrag! Dann ab 01. Januar 2013 an allen Tagen an denen unsere Salons geöffnet sind. Das sind über 250 Beitrage pro Kalenderjahr. Das war immer so. Fünf Jahre lang. Bis heute. Doch diesen Rhythmus müssen wir der aktuellen Zeit und den veränderten Verantwortungen & Aufgaben nun realistisch anpassen. Das bedeutet auf der einen Seite weniger Beiträge pro Jahr – auf der anderen Seite die Voraussetzung den Blog auch auf die nächsten Jahre garantieren zu können.

So geht´s nun digital bei „Nicolaisen“ weiter:

Dieser Blog wird ab sofort 1x wöchentlich weitergeführt. Jeweils zum Ende der Woche werden wir Freitag oder Samstag einen Beitrag veröffentlichen, in dem wir auf die Woche zurück blicken. Wir berichten über Ereignisse und Neuigkeiten aus den Salons, kommentieren Entwicklungen der Friseurszene und geben unsere Einschätzungen zu gesellschaftlichen Entwicklungen ab. Also alles wie gehabt – nur komprimiert 1x wöchentlich. Gut möglich, dass diese Beiträge dann auch oftmals ein wenig länger ausfallen 😉

Facebook werden wir genau so wie unseren Instagram-Account nutzen. Das bedeutet, dass wir unsere Facebook-Seite weiterhin sehr aktiv nutzen werden, aber nicht mehr stur und starr einmal am Tag. Es wird Tage geben da schreiben wir nichts – und es wird Tage geben da werden wir gleich mehrere Beiträge am Tag bei Facebook posten. Auch Live-Videos sind geplant! Facebook wird also weiterhin eine sehr wichtige und spannende Plattform für uns sein – und wir freuen uns über einen weiterhin starken Austausch mit unseren Facebook-Freunden.

Ihr seht – wir haben wieder richtig „Lust“ durchzustarten. Auf geht´s 🙂

Vergessene Stempel

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Lars Nicolaisen:

Diese Woche wurde ich am Ballindamm mit der Frage konfrontiert, was für eine Bewandtnis eigentlich diese Stempel haben. „Wozu waren die mal gut, Herr Nicolaisen?“ Die Damen an der Rezeption hatten kurz zuvor hinter den Kulissen einmal ordentlich aufgeräumt und auch alles was in den Ecken lag zum Vorschein gebracht, u.a. nun also auch diese Stempel.

Ich muss einen ziemlich merkwürdigen Gesichtsausdruck gehabt haben, denn – ganz ehrlich – mein allererster, spontaner Gedanke was: „Wieso fragen die mich das? Die Stempel benutzen wir doch schon immer. Wieso kennen sie die Stempel nicht?“ Erst ein paar Sekunden später kam mir die Erkenntnis, dass diese Stempel tatsächlich ein Relikt längst vergangener Zeiten waren. Sie dienten in erster Linie dazu, die Namen der Mitarbeiter auf Visitenkarten und auf jede Seite des Anmeldebuchs zu stempeln. Ein klassisches Anmeldebuch, also so „in echt“ auf Papier, das gibt es bei uns seit vielen Jahren nicht mehr. Seit Jahren verwenden wir mit absoluter Zufriedenheit ein elektronisches Anmeldesystem auf dem sich unsere Kunden auch online ihre Termine selbstständig buchen können. Und da jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter auch über eigene, personalisierte Visitenkarten verfügt, wurden die Stempel überflüssig und landeten ganz hinten in der Ecke des Schrankes, gerieten in Vergessenheit und staubten ein.

Das war ein merkwürdiger Moment für mich, da mir in diesen wenigen Sekunden bewusst vor Augen geführt wurde, wie wir uns ständig weiterentwickeln und sich die Welt auch immer weiter dreht. Irgendwie erschreckend und schön zugleich.

Qualmender Morgen

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Lars Nicolaisen:

Wer heute früh um 06:50 Uhr in unserer Wohnstraße entlang gegangen ist, der konnte meine Frau, unseren Sohn und mich nur mit Nachthemden bekleidet auf dem Balkon sitzen sehen. Was ist passiert?

Meine Frau hat in unserer neuen High-Tech Mikrowelle zwei Brötchen aufbacken wollen. Die neue Mikrowelle kann angeblich alles, bis auf Flüge buchen. Das Problem ist jedoch die Bedienung. Die ist nicht wirklich „intuitiv“. Und so muss Simona wohl irgend etwas falsch eingestellt haben. Kaum ist sie mit ihrem Kaffee wieder ins Bett gekrabbelt, ging der erste Rauchmelder los. Ohrenbetäubender Lärm. Wir drei sprangen alle aus den Betten. Keine 10 Sekunden später geht der zweite Rauchmelder an! Schnell war die Quelle des Übels gefunden. Aus der Mikrowelle qualmte es wie bekloppt. Und so beeilten wir drei uns zunächst die Rauchmelder abzustellen. Dann rissen wir alle Fenster auf und flüchteten mit den qualmenden Klumpen auf den Balkon. Und da saßen wir dann…..

Ich hoffe Ihr hatten einen weniger dramatischen Morgen. Ich wünsche uns allen einen sonnigen, fröhlichen und qualmfreien Dienstag.

 

Nix Karneval in Hamburg

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Lars Nicolaisen:

Ich bin von meinen Eltern zur Toleranz erogen worden. Ich bilde mir auch ein dass ich tolerant bin. Ich habe für vieles Verständnis und gestehe jedem auch seine Eigenarten ein. Es gibt nur weniges was ich wirklich so gar nicht verstehe – und eines davon ist die Begeisterung für Karneval. In diesen Tagen kann ich kaum Fernsehen gucken und mich auch nur sehr eingeschränkt in den sozialen Medien aufhalten. Diese peinlichen Karneval- & Faschingsfotos sind nicht zum aushalten. Angenehme Ausnahme: Unsere Kollegin Elke Berger aus Troisdorf. Das war wirklich super Elke! Bei allen anderen Fotos graust es mir und ich bin so so so so so so so froh in dieser Zeit in Hamburg leben zu dürfen!

Manch ein Rheinländer sagt sich jetzt, dass ich Karneval sicherlich noch gar nicht richtig erlebt habe und nur aus dem Fernsehen kenne. Falsch! Ich war an einem 11.11. in Köln und musste den ganzen Quatsch mitmachen. Es war 0,0 lustig. Einmal wurde ich von einem Rheinländer zum Karnevalswochenende eingeladen. Ich nahm die Einladung an weil ich endlich wissen wollte ob sich meine Vorurteile bestätigen würden oder nicht. Um 23:00 Uhr bat er mich die Karnevalssitzung zu verlassen weil ich die größte Spaßbremse wäre die er je gesehen hat. Ich war keine Spaßbremse. Ich war und bin NORDDEUTSCH! Ich liebe Humor in unterschiedlichen Ausprägungen. Aber Karneval & Nicolaisen, das wird nix mehr.

Ich wünsche allen Jecken ein ausgelassenes Wochenende und ganz viel Spaß. Wir machen es uns in Hamburg schön. Ohne Karneval. Ohne Fasching. Ohne Tätärä. Herrlich.

Jeder Zeit hat ihre Pest

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Lars Nicolaisen:

Als ich gestern dieses Foto auf Facebook entdeckte, musste ich sofort an meine Mutter denken. Sie kann es nicht ertragen, wenn Menschen dauernd auf ihr Smartphone starren. Mit Ihr darüber zu diskutieren ob sie das nicht genau so gehandhabt hätte wenn es die Technik schon zu „ihrer Zeit“ als Jugendliche bzw. junge Erwachsene gegeben hätte, ist müssig. Der Hamburger Musiker Marcus Wiebusch schrieb 2015 ein sehr gutes Lied über dieses Thema mit dem Titel „Jede Zeit hat ihre Pest„, und vielleicht ist es ja auch genau das.

Aber egal ob wir die mobile Digitalisierung & Kommunikation als „Pest“ oder als „Heiligtum“ betrachten – die Gesellschaft ist so wie sie ist. Wir werden den Fortschritt nicht aufhalten. Und diese Kids die dort dem Meisterwerk von Rembrandt keine Beachtung schenken, sind die Kunden von Morgen. Und auch die Mitarbeiter von Morgen. Ach was, eigentlich sind das schon die Mitarbeiter und Kunden von heute. Das ist die Herausforderung der wir uns stellen müssen.

Mit „wir“ meine ich in meinem heutigen Blogbeitrag besonders die Unternehmer. Jeder muss sich die Frage stellen ob „man“ heute und in Zukunft ein spannender Arbeitsplatz ist – und wie man Kunden für sich begeistern kann. Das auf diese zentrale Fragen besonders der Einzelhandel in der Breite bis heute keine befriedigenden Antworten gefunden hat, erkennt man an den extrem vielen Geschäften die mittlerweile 365 Tage im Jahr mit „SALE“ werben. Es ist nur eine Frage der Zeit bis dieser Kampf gegen den Online-Handel verloren wird. Und um es noch ein wenig zynischer zu formulieren: Wenn die Kids heute schon keinen Blick mehr auf Rembrandts wundervolle Nachtwache haben, obwohl sie sich in einem Museum befinden, dann werden sie auch die lauten SALE Aufkleber in der Stadt nicht mehr bemerken.

Wie stark sollte man neuen Lebensgewohnheiten entgegen kommen? Welche Tradition sollte man um jeden Preis erhalten? Welche Werte sind unverhandelbar und welche sollte man anpassen? Mit diesen philosophischen Fragen und Gedanken entlasse ich heute alle Leser in den Tag. Ich wünsche Euch allen eine großartigen Mittwoch, egal ob Off- oder Online. Besonders großartig ist es heute natürlich in unseren Salons! Wir bieten starke „Offline-Perfomance“ bei gleichzeitig kostenlosem W-LAN Zugang 😉

Einzelhandel-Wahnsinn

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Lars Nicolaisen:

Heute Morgen musste ich im Hamburger Abendblatt wieder von einer Schließung eines Traditionshauses in Hamburg lesen. Diesmal trifft es das „Sporthaus Schuster“ in Eppendorf. Ob Lenffer, ob Boyens, ob Schuster – immer wieder liest man von diesen Schicksalen. Und als Inhaber eines Familienunternehmens welches 1933 gegründet worden ist, lässt mich das nicht kalt. Ganz schnell kommt dann bei mir die Frage auf „Wer hat Schuld an dieser Entwicklung, dass toll gestylte aber oftmals seelenlose Fillialunternehmen gewinnen und inhabergeführte Fachgeschäfte schließen und verschwinden?

Sind es die Inhaber selbst, denen es an gut ausgebildeten Nachfolgern oder an mangelnder Innovationsbereitschaft fehlt? Die zu sehr in der Vergangenheit leben und sich dem veränderten Kaufverhalten nicht zeitgemäß anpassen wollen oder können? Oder liegt es an den Kunden? Liegt es an uns? Liegt es unserer Bequemlichkeit (Stichwort: „Online“)? Oder nach der Jagd nach den günstigsten Preisen? Der Gewohnheit, dass man ein Produkt zu einem „normalen“ Preis gar nicht mehr kauft? Die Suche nach dem größten „SALE“?

Zwei unserer Salons befinden sich ja in Einkaufszentren. Hamburger Meile und Europa Passage. Der Besuch dieser beiden Hotspots des Hamburger Einzelhandels lässt mich momentan erschaudern. Kaum ein Geschäft welches nicht dick und fett „SALE“ auf ihren Schaufenstern geklebt hat. 20% sind da ja noch das Mindeste. Oftmals liest man etwas von 50% oder sogar drüber. Erinnert mich an einen Kunden der vor kurzem zu mir sagte „Ganz ehrlich Herr Nicolaisen, unter 50% interessiert es mich schon gar nicht mehr. Da schaue ich gar nicht mehr hin.Weiterlesen